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Sport

Montag, 31. Januar 2005

Volles Haus und keine Tore

Hertha BSC mit Nullnummer gegen harmlose Bayern

Bild aus der Morgenpost  

Beim Tanz um den Ball - hier Bayerns Mehmet Scholl (rechts) gegen Herthas Marcelinho - gab es am Ende keinen Sieger

Foto: dpa

Von Uwe Bremer und Horst Bläsig

Nach 89:56 Minuten reichte es Thorsten Kinhöfer (Herne), überpünktlich pfiff der Schiedsrichter im Olympiastadion ab. Er hatte die Zeichen der Trainer verstanden. Bayern-Coach Felix Magath hatte den defensiven Jens Jeremies für Mehmet Scholl (Verdacht auf Meniskusriß) gebracht (85.), Hertha-Coach Falko Götz den offensiven Gilberto durch Verteidiger Malik Fathi ersetzt (88.). So endete eine denkwürdige Bundesliga-Partie mit dem banalsten aller Fußballresultate - einem 0:0.

Denkwürdig war die Begegnung, weil die gesamten Vorzeichen hinfällig waren. Die Arena war erstmals seit ihrer Sanierung ausverkauft, 74 500 Zuschauer hatten sich ursprünglich auf ein Fest gefreut. Doch die Ereignisse der vergangenen Tage mit dem Manipulationsskandal und den Verdächtigungen gegen die Herthaner Josip Simunic, Nando Rafael und Alexander Madlung sowie deren Eidesstattlicher Erklärungen, sie haben mit der Angelegenheit nichts zu tun, hatte die Atmosphäre verändert. Bayern-Kapitän Oliver Kahn: "Im Umfeld und im Stadion - irgendwie war die Stimmung komisch. Es war alles so gedämpft."

Lediglich in den ersten 20 Minuten gab es Spitzenfußball. Hertha spielte schnell, Marcelinho und Bastürk wirbelten durch die Abwehr des Spitzenreiters. Pech für Gilberto, daß sein Tor nicht anerkannt wurde. Aber Schiedsrichterassistent Christian Schräer wedelte wegen einer Abseitsstellung bereits acht oder neun Sekunden mit seiner Fahne (9.). Doch irgendwie wirkten die Akteure angespannt. Bastürk und Michael Ballack gerieten des öfteren aneinander, auch Lucio und Marcelinho kamen sich mehrfach ins Gehege. "Diese Phase haben wir mit etwas Glück ohne Gegentor überstanden", bekannte Bayern-Trainer Felix Magath, "sind dann aber besser ins Spiel gekommen."

Für die Zuschauer gab es fortan wenig zu sehen. Viele Zweikämpfe, viele Freistöße, aber wenig Spielfluß. Hertha-Torwart Christian Fiedler kam nur einmal zum Einsatz, als er einen Acht-Meter-Schuß von Roy Makaay ins kurze Eck glänzend parierte (25.). Im Deckungszentrum agierte Josip Simunic trotz der Belastung der vergangenen Tage zuverlässig, als wäre nichts gewesen. Nando Rafael hingegen konnte sich gegen Bayern-Manndecker Robert Kovac kaum einmal durchsetzen. Trotzdem war Trainer Falko Götz zufrieden. "Ich ziehe vor beiden den Hut, wie sie mit dieser Situation klargekommen sind."

Nach der Pause spielten beide Mannschaften immer verhaltener. Jeder wartete, ob der Gegner einen Fehler machte. Hertha hatte Glück bei einem 24-m-Schuß von Owen Hargreaves, der ans Lattenkreuz klatschte (79.). Anschließend kam der Spielfluß völlig zum Erliegen. "Wir haben in einem schweren Spiel einen Punkt gewonnen", wertete Magath die Partie, "auch, wenn es für die Zuschauer nicht ganz so interessant war, weil es fast keine Torchancen gab."

So endete das vermeintliche Spitzenspiel als kühle Kalkulation. Auch wenn Yildiray Bastürk mit Blick auf das 2:2 zum Rückrundenstart in Bochum kritisierte: "Zwei Punkte nach zwei Spielen sind zuwenig." Doch Hertha ist nun seit neun Partien in Folge unbesiegt (fünf Siege, vier Remis). Die Bayern bauten ihre Serie auf acht Spiele ohne Niederlage aus.

Zum Schluß erinnerte sich Marcelinho an sein Karten-Konto, handelte sich seine fünfte Gelbe Karte ein (88.). Die Hürde am Samstag bei Aufsteiger Mainz muß das Team ohne ihren Spielmacher meistern. Das Schlußwort hatte Hertha-Manager Dieter Hoeneß: "Bei einer normalen Vorbereitung wären wir vielleicht unzufrieden. Aber unter diesen Umständen hat sich die Mannschaft gut geschlagen."

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