"Manipulationsgefahr ist zu groß"
Schiedsrichter-Skandal: DFB-Krisensitzung am Freitag in Frankfurt - Zwanziger will Spezialwetten abschaffen
![]() | Kämpfer gegen Wett-Manipulationen: Theo Zwanziger, der Geschäftsführende DFB-Präsident, fordert, den Verführungsgrad bei Sportwetten durch die Abschaffung von Spezialwetten zu minimieren Foto: AP |
Als Konsequenz aus dem Schiedsrichter-Skandal trifft sich das Präsidium des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) am Freitag in Frankfurt/Main zur nächsten Krisensitzung. Bei diesem Treffen werden die Funktionäre auch über Präventionsmaßnahmen diskutieren, um einen vergleichbaren Skandal künftig auszuschließen. Die wichtigste Maßnahme für Theo Zwanziger, den geschäftsführenden DFB-Präsidenten, ist die Einschränkung von Wetten auf einzelne Spiele: "Wir müssen die Manipulationsgefahr verringern, indem wir die Einzelwetten reduzieren und uns stärker auf Wettkombinationen auf zum Beispiel drei Spiele konzentrieren."
Das ist ein Vorschlag. Mittlerweile schaltet sich auch die Politik ein. Sie will illegale Sportwetten in Deutschland künftig schärfer bekämpfen. Die Ministerpräsidenten der Bundesländer haben einen entsprechenden Auftrag an die Innenminister erteilt, bestätigte der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Das Thema stehe auch auf der Tagesordnung der Ministerpräsidentenkonferenz am 14. April in Berlin.
Für ein generelles Wettverbot für alle Protagonisten der Bundesliga ist Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber. "Es muß ein glasklares Wettverbot für Spieler, Trainer und Funktionäre bei Fußball-Wetten geben", sagte er der Bild am Sonntag. Auch der Leiter der Anti-Korruptions-Abteilung in der Frankfurter Staatsanwaltschaft, Wolfgang Schaupensteiner, hat sich für ein Wettverbot von Unparteiischen ausgesprochen. "Als Staatsanwalt plädiere ich für einen Kodex im außerstrafrechtlichen Bereich. Zum Beispiel, daß Schiedsrichter nicht auf eigene Spiele wetten dürfen - auch nicht über Dritte." Nach Ansicht des Oberstaatsanwaltes müßte zudem "ein Kontrollorgan geschaffen werden".
DFB-Vizepräsident Hans-Georg Moldenhauer plädiert zudem für eine noch intensivere Betreuung der Schiedsrichter: "Es muß nicht erst dann passieren, wenn die Schiedsrichter hochklassige Spiele unter der Obhut des DFB pfeifen, sondern man muß sich um die Schiedsrichter-Talente, ihren Charakter und auch ihr Umfeld frühzeitig kümmern." Ziel ist es, so der Präsident des nordostdeutschen Verbandes, Veränderungen im sozialen Umfeld oder die Gründe für Leistungsabfälle schneller zu erkennen.
All diesen Vorschlägen steht Zwanziger positiv gegenüber. Doch das Hauptproblem sieht er in den Wetten. "Dieser Vorgang ist ein krimineller Vorgang. Der Fußball ist hier benutzt worden, weil junge Menschen den Verführungen nicht gewachsen waren. Denn der Reiz der Sportwetten kann sehr verlockend sein", sagte Zwanziger: "Deshalb müssen wir aufpassen, daß wir den Verführungsgrad von draußen, durch eine einzige Schiedsrichterentscheidung als Wetter Geld verdienen zu können, deutlich minimieren. Der Ordnungsrahmen muß enger gezogen werden."
Sein Vorschlag: Wetten, bei denen zum Beispiel nur auf das Halbzeitergebnis in einem Spiel gesetzt werden kann, müssen abgeschafft werden. "Gerade bei diesen Angeboten ist die Manipulationsmöglichkeit zu groß", begründete Zwanziger, der so schnell wie möglich bei der Berliner Staatsanwaltschaft Einsicht in die Akte Hoyzer nehmen will.
Unterdessen hat die Deutsche Fußball-Liga (DFL) die Wiederholung von Spielen der Zweiten Liga in Aussicht gestellt. "Ligaspiele können leichter wiederholt werden. Wenn das Sportgericht entschieden hat, wird die DFL sicherlich Neuansetzungen veranlassen", sagte der DFL-Vorsitzende Werner Hackmann im DSF-Doppelpaß.
Dagegen fordert der Vorstandsboß Bernd Hoffmann vom Bundesligisten Hamburger SV nach wie vor auch die Neuansetzung der verschobenen Pokal-Partie zwischen dem Regionalligisten SC Paderborn und seinem Klub (4:2): "Wir sind aus dem Pokal ausgeschieden worden. Von daher erwarten wir, daß das Pokal-Spiel wiederholt wird. Wir warten ab, ob das DFB-Sportgericht entscheidet, daß das Spiel null und nichtig ist." Allerdings nahm der HSV-Chef erstmals Abstand von einer zivilrechtlichen Klage gegen Robert Hoyzer: "Wir beraten uns mit den Juristen, was das bringen könnte. Eventuelle zivilrechtliche Ansprüche wollen wir aber hinten anstellen."
Nach Informationen der Bild am Sonntag soll Hoyzer bei seiner Vernehmung durch die Staatsanwaltschaft die Manipulation von vier Spielen gegen eine Zahlung von 70 000 Euro gestanden haben.








