Das große Aufräumen
Strandbad Wannsee: Sanierung läuft auf Hochtouren - Stiftung Denkmalschutz investiert 8,5 Millionen Euro
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| Zwei Mitarbeiter der Firma Hochtief brechen mit Preßlufthämmern den Beton des Treppenabgangs im Wannseebad auf Foto: Schulz |
Das Knattern des Preßlufthammers hallt durch die winterliche Stille am Wannsee. Steine und Schutt fliegen mit ohrenbetäubendem Krachen in einen Container. An den Treppen wird gehämmert. Trotz fünf Grad unter Null ist im Sommerbad von Winterschlaf keine Spur: Im Strandbad Wannsee hat das große Aufräumen begonnen - und wird noch mindestens zwei Jahre dauern. Im Mai 2007, wenn Europas größtes Binnenseebad 100 Jahre alte wird, sollen die Arbeiten beendet sein.
Ein Gang über das Gelände hält so manche Überraschung bereit. Dort ein alter wackliger Holzschuppen, hier ein abgestellter Imbißwagen, da ein künstlich aufgeschütteter Hügel - alles beim Ausholzen zu Tage gekommen. Professor Helmut Engel von der Stiftung Denkmalschutz kann nur mit dem Kopf schütteln über die jahrelange Vernachlässigung des geschichtsträchtigen Bades. Für ihn gibt es deshalb nur eine erste Sofortmaßnahme: Ordnung schaffen und die alte Qualität eines Landschaftsparks wieder erlebbar machen.
Die ersten Resultate sind bereits zu sehen. Besonders stolz ist Helmut Engel auf den wiederhergestellten "Panoramablick auf die Berliner Ostsee". Der war dornröschengleich von Sträuchern und Bäumen zugewuchert und mußte wieder freigelegt werden. Auch die Aussichtsplattform, die von Büschen zugerankt war, gibt den Blick wieder frei auf Schwanenwerder, Kladow und die Pfaueninsel. Genau wie um 1920.
Während sich vor allem ABM-Kräfte um das äußere Erscheinungsbild des Geländes kümmern, sind am Haus A die Mitarbeiter von Hochtief am Werk. Das ehemalige Umkleidegebäude ist vollständig eingerüstet und eingehaust. Es gehe zunächst darum, die Substanz in Ordnung zu bringen, erläutert Engel. Dazu werden die Knotenverbindungen der Stahlkonstruktion freigelegt, entrostet und auf ihre Festigkeit untersucht. Bis zum Mai sollen die Arbeiten beendet sein. Nach der Saison folgt Haus C. Die anderen beiden Gebäude B und D wurden bereits saniert.
Etwa 8,5 Millionen Euro investiert die Stiftung Denkmalschutz Berlin in die Sanierung des maroden Bades. Diese Summe soll zum Großteil von Sponsoren und Spendern kommen. Eine erste Aktion mit der Berliner Stadtreinigung ist angelaufen. Wer 5000 Euro spendet, kann ein Jahr lang einen Müllwagen mit seinem Bild oder einem Spruch verzieren. Etwa 40 BSR-Fahrzeuge sind dafür bereits unterwegs. Das Geld fließt fast komplett in die Sanierung. Bereits 400 000 Euro seien an die beauftragten Bauunternehmen bezahlt worden, berichtet Reinhard Müller, Schatzmeister der Stiftung. Der größte Teil stamme aus laufenden Ratenzahlungen der Firma DSM-Megaposter, die für die Aufstellung der Werbemonumente zuständig ist. Im Frühjahr sollen an 50 Standorten in der Stadt überdimensionale Liegestühle, Wasserflaschen oder Handys aufgestellt werden, auf denen Sponsoren für sich und für die Sanierung des Strandbades werben.
Auch bei den Berliner Bäderbetrieben, die mit knapp vier Millionen Euro aus dem Landeshaushalt sämtliche Leitungen für Wasser, Gas und Strom instand setzen, laufen die Arbeiten auf Hochtouren. Die Ausschreibung für das Restaurant Lido gestaltet sich schwieriger als geplant. So muß jetzt ein sogenannter Baukonzessionsvertrag ausgearbeitet werden, für den noch Details fehlen. Bäderchef Klaus Lipinsky rechnet damit, daß die Ausschreibung in den nächsten Tagen rausgeht und schnell ein Investor gefunden wird. Noch nicht unterzeichnet, so Lipinsky, sei ein Kooperationsvertrag zwischen der Stiftung und den Bäderbetrieben.
Der Bezirk Steglitz-Zehlendorf sitzt als derzeitiger Eigentümer des Bades bei allen Verhandlungen mit am Tisch. Nach der Novellierung des Bäderanstaltsgesetzes soll das Strandbad in den Besitz der Bäderbetriebe übergehen.








