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schüleraustausch nach südafrika Ein Jahr Kapstadt Als Austauschschülerin in die USA das machen viele. Aber nach Südafrika? Für Lena die bislang spannendste Zeit ihres Lebens
|  | Risiken Es gibt Dinge, die vergisst man nie. Als Lena in Kapstadt gelandet war, bekam sie von ihrer Gastmutter als Erstes eingebläut: |
"Sobald du in einem Auto sitzt, drückst du die Knöpfe der Türverriegelung runter!" Eine notwendige Vorsichtsmaßnahme, denn in südafrikanischen Großstädten ist die Kriminalitätsrate hoch. "Man lernt schnell, welche Gegend zu welcher Tageszeit einigermaßen sicher ist", erzählt Lena. "Und Athlone, der Stadtteil, in dem meine Gastfamilie, die Rutgers, lebt, gehört nachts nicht dazu." - "Nach Anbruch der Dunkelheit gehst du nicht mehr allein raus!" war Verhaltensregel Nummer zwei, die die Rutgers Lena mit auf den Weg gaben. Selbst Erwachsene meiden abends die Straßen. Nichtsdestoweniger hat Lena in dem Jahr die meisten Viertel Kapstadts erkundet: "Ich verdrängte die Ängste, so gut es ging. Schließlich wollte ich ja so viel wie möglich sehen." War das nicht übermütig? "Ich habe gelernt, die Risiken einzuschätzen." Anderswo leben Durch ihre Erfahrungen ist die 16-Jährige aus Norddeutschland eigenständiger und selbstbewusster geworden. Das werden Menschen wohl zwangsläufig, wenn sie schon durch ihr Äußeres so auffallen wie Lena in Athlone. In ihrem Wohnviertel war sie die Einzige mit weißer Hautfarbe. Worüber besonders in der Schule viel getuschelt wurde. Die Rutgers gehören zu den sogenannten "Coloureds", den Farbigen, genau gesagt den Mischlingen. "Ein furchtbarer Ausdruck", findet Lena. Bis zum Ende der 80er Jahre, während der Zeit der Apartheid (Rassentrennung), wurden alle Bewohner Südafrikas einer der vier Kategorien Schwarz, Weiß, Indisch oder Farbig zugeordnet. Die Gesetze verboten "Mischehen" und wiesen den einzelnen Rassen verschiedene Wohngebiete zu. Letzteres hat sich kaum verändert: In dem Viertel der Rutgers wohnen ausschließlich "Coloureds". Der Großteil von ihnen spricht Englisch und Afrikaans, die vom Niederländischen abstammende Sprache der Buren. Auch die Rutgers sind zweisprachig. "Für mich haben sie das ganze Haus mit Zetteln bepflastert," erzählt Lena begeistert. Auf Fernseher, Wasserhahn, Dusche und Kühlschrank zum Beispiel klebten Papierchen, auf denen jeweils der englische, deutsche und der afrikanische Ausdruck standen. Die Menschen sind so herzlich Wie eine Tochter haben die Rutgers Lena in ihrem Haus aufgenommen. Von ihrem Fenster blickte sie auf den Tafelberg, das Wahrzeichen der Stadt, davor Bilderbuchstrände und die bunten Hafenanlagen. Selbst bei strahlendem Wetter breitete sich fast jeden Tag eine riesige Wolke über dem Plateau aus. "'Tischtuch' nennen die Kapstädter diese Watteschicht", erfuhr Lena. |  |
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