ALTONA | 31.01.2005
DNA bringt Polizei auf die Spur der Täter THOMAS HIRSCHBIEGEL 1988: Messermord an Rentnerpaar Eine Armbanduhr, eine Perlenkette und zwei Ringe - dafür mussten Elisabetha (96) und Paul Landbeck (88) sterben. Das Ehepaar wurde am 22. Oktober 1988 an der Alten Königstraße (Altona) bestialisch getötet. Gerichtsmediziner zählten an den Leichen 50 Messerstiche und mehr als 15 schwere Kopfverletzungen durch Hammerschläge. Fast 16 Jahre nach dem Doppelmord konnten im vergangenen Jahr DNA-Spuren ausgewertet und Brigitte F. (41) und Stephan B. (32) verhaftet werden. Doch nur die Frau steht morgen vor Gericht. Glücklich verheiratet, Hausfrau und Mutter - so war das Leben von Brigitte F.s in Iserbrook. Bis zum 5. August 2004. Vor den Augen ihrer elfjährigen Tochter nehmen Kripoleute die Frau in ihrer Wohnung fest. Seitdem sitzt sie in Haft. Brigitte F. beschuldigt ihren Ex-Freund Stephan B. der Tat. Am 10. August wird auch er verhaftet. Rückblende: Am 21.Oktober 1988 hat die heroin - und kokainabhängige Prostituierte Brigitte F. schwere Entzugserscheinungen. Sie braucht Geld für Drogen, wird bei einem Einbruch geschnappt. Bei der Tat zog sie sich eine Verletzung zu - das sollte ihr später zum Verhängnis werden. Kaum von der Polizei entlassen, kehrt sie in ihre Wohnung an der Alten Königstraße zurück. Dort lebt auch das Ehepaar Landbeck - nur einen Stock über ihr. Gegen Mitternacht klingelt es an der Wohnungstür der alten Leute. Während Elisabetha Landbeck im Bett Zeitung liest, öffnet ihr Mann. Er stirbt wenig später in der Küche unter dutzenden Stichen und Schlägen. Auch seine Frau überlebt die brutale Attacke nicht. Ihr größter Wunsch war, 100 Jahre alt zu werden. Die Täter flüchten mit den wenigen Schmuckstücken der Opfer. Die Mordkommission vernimmt die beiden jungen Nachbarn, durchsucht ihre Wohnung. Aber die Beweise reichen nicht aus. 1989 wird das Verfahren eingestellt. Doch an Beweismitteln kleben Blutspuren, die nicht von den Opfern stammen. Sie werden asserviert. 2002 kommt es zu ersten DNA-Abgleichen. Es handelt sich um Blut von Brigitte F., stammt von der Verletzung, die sie sich bei dem Einbruch zugezogen hatte. Die Schlinge zieht sich zu. Zunächst auch um Stephan B. (32). Auch er führte 16 Jahre nach dem Doppelmord ein bürgerliches Leben, hatte eine hochschwangere Freundin. Nun stellte Brigitte F. ihn als treibende Kraft des Verbrechens dar. Doch die Anschuldigen einer Mordverdächtigen zählen nicht viel. Und DNA-fähiges Material des Mannes gab es am Tatort nicht. Zwei Monate nach seiner Verhaftung kommt Stephan B. frei. Das Verfahren gegen ihn wird eingestellt. Bei der Gerichtsverhandlung am Dienstag vor dem Landgericht steht er auf der Zeugenliste ganz oben. Info: DNA Wie Erbmaterial der Polizei bei der Arbeit hilft Die DNA-Analyse ist die schärfste Waffe der Polizei Ein Straftäter muss nur ein Haar hinterlassen oder eine Zigarettenkippe. Wie die Spurensuche funktioniert Am Tatort, etwa unter den Fingernägeln eines Mordopfers, wird ein Hautfetzen gefunden. Im Labor erstellen Experten das DNA-Profil des Täters. Das DNA-Profil des Täters speist die Polizei dann als Zahlenformel in die Analyse-Datei des Bundeskriminalamtes ein. Rund 320000 Menschen mussten bisher auf richterliche Anordnung eine Speichelprobe abgeben. Ihre Daten sind gespeichert. Der Großrechner des BKA in Wiesbaden prüft, ob die Täter-DNA mit einer der abgespeicherten Personen übereinstimmt.
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