Frankfurt A. M., 31. Januar. In der Fußball-Betrugsaffäre hat erstmals ein Spieler eingeräumt, Geld angenommen zu haben. Unterdessen widersprach der staatliche Wettanbieter Oddset Aussagen des DFB-Präsidenten Gerhard Mayer-Vorfelder, wonach Oddset den Deutschen Fußball-Bund nicht deutlich genug auf einen Manipulationsverdacht hingewiesen habe.
Der Präsident des Regionalligisten SC Paderborn, Wilfried Finke, erklärte am Montag, SC-Mannschaftskapitän Thijs Waterink habe vor dem umstrittenen Pokalspiel gegen den Hamburger SV im August 10 000 Euro von einem süd-europäisch wirkenden Mann als ?Siegprämie? angenommen. Er gehe davon aus, dass es sich nur um die Spitze eines Eisberges handle, sagte Finke. ?Um eine Wette sicher zu machen, brauche ich im Grunde alle drei Parteien.? Daher müsse man sich auch das Verhalten der HSV-Spieler anschauen. Es sei erkennbar gewesen, dass die Hamburger Mannschaft beim DFB-Pokalspiel am 21. August 2004 in Paderborn nicht ihre bestmögliche Leistung gezeigt habe. Der HSV wies dies scharf zurück und will juristische Schritte gegen die Aussagen prüfen.
Der Paderborner Präsident erklärte, der Unbekannte habe Waterink 10 000 Euro gegeben und gesagt, im Falle eines Sieges gegen den Bundesligisten HSV könne er das Geld als Prämie behalten. Andernfalls wolle er es zurückhaben. Waterink habe den übrigen Spielern vor der Begegnung nichts davon gesagt, ihnen am Tag nach dem Sieg aber je 500 Euro ausbezahlt. Waterink habe das Geld wohl aus Naivität angenommen, sagte Finke. ?Ein Straftatbestand liegt nicht vor.? Das Geld sei aus Sicht des Vereins wie eine Provision oder Leistungsprämie zu betrachten, die ordentlich versteuert werden müsse.
Der HSV-Vorstandsvorsitzende Bernd Hoffmann wies Finkes Mutmaßungen über eine Verstrickung von HSV-Spielern zurück. ?Für so etwas habe ich überhaupt kein Verständnis?, erklärte er. ?Das ist die freundliche Umschreibung dafür, dass ich es für eine glatte Unverschämtheit halte.? Der HSV hatte die Begegnung nach mehreren umstrittenen Entscheidungen des inzwischen zurückgetretenen Schiedsrichters Robert Hoyzer 2:4 verloren. Hoyzer soll nach eigenen Angaben drei Spiele verschoben und dafür mehr als 50 000 Euro von einer kroatischen Wettmafia erhalten haben. Drei Verdächtige aus dem Umfeld des Berliner ?Café King? sitzen mittlerweile in Haft. Die Staatsanwaltschaft Berlin äußert sich bisher nicht dazu, ob auch gegen Spieler ermittelt wird.
Oddset erklärte unterdessen, den DFB unmittelbar nach dem Spiel Paderborn-HSV im August zweimal telefonisch und einmal per Fax über den Betrugsverdacht in Kenntnis gesetzt zu haben. Der Vorsitzende des DFB-Kontrollausschusses, Horst Hilpert, hatte erklärt, Oddset habe die Anzeige nach vier Wochen zurückgezogen. (Reuters)